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Pressemeldung 9. September 2009 drucken »   senden »
 

Qualitätsgedanken stärker in der Ausbildung verankern

Wissenschaftler entwickeln Thesen zur Etablierung einer Qualitätskultur im Gesundheitswesen

Berlin / Gütersloh – 9. September 2009. Der Qualitätsgedanke und die Ziele und Funktionen von Qualitätsmanagement müssen stärker in der Ausbildung medizinischer Berufe verankert werden. Dazu gehören etwa die Sensibilisierung für die Qualität des eigenen Handelns sowie die Befähigung zur Selbstreflexion und Teamarbeit. Das sind zentrale Ergebnisse einer aktuellen Studie, die heute bei einem Symposium von Stiftung Praxissiegel e. V. in Berlin vorgestellt wurden. Für die Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung haben Wissenschaftler in einem Delphi-Verfahren Thesen dazu entwickelt, wie Qualität stärker in den Fokus der Gesundheitsversorgung rücken kann. Anschließend wurden die Thesen von Praktikern und gesundheitspolitischen Entscheidern bewertet. Dabei herrschte die größte Einigkeit darüber, dass im Gesundheitswesen eine Qualitätskultur notwendig ist, in der gute Leistungen anerkannt werden und Qualitätsvergleiche sowie konstruktive Kritik als Chance für Verbesserungen angesehen werden.

 

„Trotz vielfältiger Ansätze, Qualität als Steuerungskriterium für die Gesundheitsversorgung zu etablieren, sind wir von einer im System verankerten und lebendigen Qualitätskultur noch weit entfernt“, sagte Prof. Dr. Eckart Fiedler, Vorstandstandsvorsitzender von Stiftung Praxissiegel. Auch 20 Jahre nach der Einführung der gesetzlichen Verpflichtung zur Qualitätssicherung stünden viele Ärzte diesem Thema noch sehr skeptisch gegenüber. Umso wichtiger sei es, adäquate Anreize für Qualität zu schaffen und die Patientensouveränität durch sachgerechte, verständliche und objektive Qualitätsinformationen zu stärken. Eine gelebte Qualitätskultur im Gesundheitswesen brauche gut informierte und selbstbewusst handelnde Patienten, so Fiedler.

 

„Wir sind der Überzeugung, dass alle Patienten und Versicherten die Möglichkeit haben sollten, sich über die Leistungen von Gesundheitsanbietern zu informieren und die Angebote zu vergleichen“, sagte Dr. Brigitte Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Stiftung Praxissiegel und Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. „Zugleich benötigen die Gesundheitsanbieter alltagsnahe und praktikable Lösungen, die es ihnen ermöglichen, die Versorgungsqualität kontinuierlich zu verbessern“. Hierbei gelte es im Sinne der Ärzte immer wieder kritisch zu hinterfragen, ob nicht zu viel Bürokratie produziert werde, so Mohn.

 

Die Studie wurde unter der Federführung von Prof. Dr. Max Geraedts, Leiter des Instituts für Gesundheitssystemforschung an der Universität Witten/Herdecke, durchgeführt. In der Delphi-Befragung entwickelten sieben wissenschaftliche Experten 31 Thesen zu 12 Themenbereichen wie „Qualitätstransparenz“, „Qualitätsforschung“, oder „Qualitätswettbewerb“. Die Thesen wurden anschließend in einer Online-Befragung von Ärzten, Patientenvertretern, Politikern, Kostenträgern und weiteren Qualitätsmanagement-Experten bewertet. Dafür wurden 2.020 Personen angeschrieben, 239 haben geantwortet. „Die hohe Übereinstimmung von Experten und Akteuren darin, welche Schritte notwendig sind, damit sich eine lebendige Qualitätskultur im deutschen Gesundheitswesen etabliert, lässt hoffen, dass die konkrete Umsetzung dieser Schritte bald gemeinsam gelingen könnte“, sagte Prof. Dr. Max Geraedts.

 

„Von großer Bedeutung ist es, dass sich der Qualitätsgedanke, der ja bereits in Krankenhäusern und Praxen eine große Rolle spielt, in den Köpfen aller Ärzte und Gesundheitsprofessionen festsetzt. Gesetzliche Vorgaben zur Qualitätssicherung allein reichen nicht aus“, sagte Dr. Stefan Bilger, Allgemeinmediziner und Vorstandsmitglied von Stiftung Praxissiegel. Seine praktische Erfahrung zeige, dass effektives Qualitätsmanagement dann möglich sei, wenn die Anwender von den positiven Auswirkungen überzeugt seien. „Deswegen sollte Qualitätsmanagement als fester Bestandteil in die Curricula in Aus-, Fort- und Weiterbildung aufgenommen werden.“

 

Bei dem Symposium in Berlin diskutierten rund 140 Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis über Ansätze, den Qualitätsgedanken im Gesundheitswesen noch stärker zu etablieren. Weitere Informationen zu der Veranstaltung und zu Stiftung Praxissiegel finden sich unter www.praxissiegel.de.

Stiftung Praxissiegel e. V. wurde 2004 gemeinsam von der Bertelsmann Stiftung und TOPAS Germany e. V. gegründet. Der Verein trägt dazu bei, den Qualitäts- und Transparenzgedanken im Gesundheitswesen zu fördern. Er akkreditiert geeignete Qualitätsmanagement-Systeme, fachlich versierte Dienstleister sowie unabhängige Praxis-Visitoren anhand ausgewählter Kriterien. Arztpraxen, die das bisher akkreditierte Qualitätsmanagement-System EPA (Europäisches Praxisassessment) erfolgreich durchlaufen haben und definierte Qualitätsstandards erfüllen, erhalten ein Zertifikat von Stiftung Praxissiegel. Bisher hat der gemeinnützige Verein über 1.200 Zertifikate vergeben.



Ergebnisbericht der Studie

der Bertelsmann Stiftung
"Wie rückt Qualität in den Fokus der Gesundheits-versorgung?"
 
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Letzte Aktualisierung: 09.10.2009 © 2004 Stiftung Praxissiegel e. V.
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